MORDGEDANKEN - Roman

Mona ist unberechenbar und rätselhaft für Jan. Obwohl sie es versprochen hat, ist sie nicht zur Theaterprobe erschienen. „The person you have called is temporarily not available ...“ Jan kann den Spruch auf Monas Mailbox nicht mehr hören! Tausendmal hat er versucht, sie auf ihrem Handy zu erreichen. Mona ist wie vom Erdboden verschluckt. Mona, in die er sich gerade erst verliebt hat ...

Spannung pur – ein Labyrinthe Krimi.

MORDGEDANKEN
von Oliver Pautsch
Thienemann Verlag, Stuttgart
224 Seiten
ISBN 3 522 17660 X
Ab 13 Jahren
Erscheinungstermin: Juli 2004

Presse zu "Mordgedanken"
Rheinische Post vom 20.7.2004 PDF-Download
Rheinische Post vom 3.6.2004 PDF-Download

Leseprobe:
Die Räume des AquaZoo waren dunkel und angenehm kühl. Becken mit Fischen, Reptilien und Amphibien waren beleuchtet und temperiert, den Bedingungen der verschiedenen Lebensräume angepasst. Sie leuchteten wie Fenster ferner Welten in die stillen Gänge. Außer Jan schienen an diesem frühen Nachmittag im Juli kaum Besucher im Zoo zu sein. Besonders den Terrarien mit Reptilien und Amphibien gehörte Jans Leidenschaft. Er wanderte begeistert durch die dunklen Räume mit den faszinierenden Ausblick in fremde Welten: Wüste. Savanne. Die Tropen. Tiere unter und über Wasser. Für jeden Lebensraum ein Fenster in die andere Welt. Jan konnte nie genug davon bekommen. Er klebte an den Scheiben und drückte sich die Nase platt, bis er eine Stimme hinter sich hörte: "Hey, Professor!"
In der Mitte des Raums mit tropischen Fröschen befand sich eine Bank aus dem gleichen dunklen Stein, aus dem auch Wände und Boden des Zoos bestanden. Mona lehnte sich vor und betrachtete Jan mit einem amüsierten, aber auch müden Ausdruck im Gesicht. Jans Herz machte einen Satz! Seine Gedanken ebenfalls: Hey! Wo warst du? Warum lächelst du so? Woher weißt du, dass ich hier bin? Darf ich dich küssen? Bleibst du bei mir? Oder haust du gleich wieder ab? Wo warst du? Darf ich dich umarmen? WO ZUM TEUFEL WARST DU??
" Hey." Jan stand auf, stellte sich neben Mona und versuchte, gelassen zu wirken. Cool.
" Ich war noch nie hier." Mona kicherte: "Sollen wir 'n paar von den Quakern aufblasen? Ich hab Strohhalme dabei."
" Hast du nicht!"
" Nee. War nur 'n Scherz."
Jan führte Mona zu einem Terrarium neben der Bank. Er deutete auf einen winzigen gelben Frosch, der Jan und Mona bewegungslos durch die Scheibe ansah.
" Phyllobates terribilis", sagte Jan.
" Ziemlich gelb, der Kleine. Ist er bei der Post?", grinste Mona. "Der könnte auf meinem Daumen sitzen."
" Wenn du den Daumen danach ableckst, würdest du sterben", antwortete Jan. Mona beugte sich vor. Interessiert beobachtete sie den Frosch. "Ehrlich?"
" Indianer in Südamerika tragen diese Frösche in kleinen Bastkörben bei sich. Sie reiben ihre Pfeilspitzen über den Rücken des Froschs und jagen damit. Wer getroffen wird, stirbt. Es gibt kein Gegengift!"
" Uhh", sagte Mona, während der tödliche Zwerg auf winzigen Beinen Deckung hinter einer Wurzel suchte. Ende der Vorstellung. Mona grinste: "Hey, ein Witz: Was ist grün und wird auf Knopfdruck rot?"
" Frosch im Mixer", sagte Jan. Den kannte er und lachte nicht. Sondern sah Mona unendlich traurig an. Kein guter Witz. Kein guter Tag.
" Du stehst auf diese Sache, oder? Froschmann?"
Jan schwieg und sah zu Boden.
Ich steh auf dich, Mona! Nenn mich doch wieder Jannick, so wie früher. Ich kann den Weichspüler aus deinen Klamotten riechen. Ich kann DICH riechen! Und weiß genau, wie dein Kuss geschmeckt hat. Du hast gelacht, in diesem kleinen Wäldchen. Im Knutschparadies ... Du hast den Wald doch umgetauft! Mann, haben wir gelacht! Ich vermisse dich! Gehe meiner ganzen Sippe auf den Sack. Weil du mir fehlst. Was ist passiert?
" Alles klar bei dir?", fragte Jan vorsichtig.
" Ja ... nee. Nicht wirklich." Mona hatte Ränder unter den Augen, die Jan vorher nicht aufgefallen waren.
" Was ist denn?"
Mona stand auf und entfernte sich ein paar Schritte von Jan. Klopfte an eine Scheibe, sah in das Terrarium und wandte sich Jan zu. Der immer noch nach den richtigen Worten suchte. "Wo ist der denn plötzlich?"
" Versteckt sich. So wie du."
Jan kapierte den Fehler, bevor sein Spruch bei Mona ankam. Ihr Gesicht verdunkelte sich.
Gleich wird sie "Arschloch" sagen, so wie Nina eben. Ich benehme mich ja auch wie eins! Doch während Jan die Luft anhielt, murmelte Mona: "Wird schon seine Gründe haben zu verschwinden." Dann klopfte sie an die Scheibe: "Hallo! Komm wieder raus! Wir benutzen Strohhalme nur zum Trinken, versprochen!"
Jan lachte auf. Viel zu laut. Kam sich wie ein Idiot vor und folgte Mona zur Bank zurück. Sie küsste Jan auf den Mund. Ihre Zunge streichelte ganz vorsichtig über Jans Lippen. Es war wunderbar, doch Jan konnte es nicht genießen. Er küsste ihr Muttermal über der Oberlippe, vergrub seinen Kopf in ihrem Haar und machte sich Sorgen, ohne begründen zu können, warum. Ein mulmiges Gefühl. Ein Klumpen in seinem Magen, der seine rasende Verliebtheit seit einiger Zeit überschattete. "Was ist los mit dir, Mona?"
" Du wiederholst dich, Froschmann", lächelte Mona und stand auf. "Wir sehen uns auf der Probe."
Mona war noch nicht ganz aus dem Raum, als Jan ihr hinterherrief: "Hey! Weißt du, was wirklich grün ist?"
Sie drehte sich um.
" Hoffnung ist grün."
" Wieso ist der Frosch dann gelb?", fragte Mona.
" Der ist giftig!", antwortete Jan.
" Das bin ich auch", sagte Mona und verschwand.