|
SIE KRIEGEN DICH - Roman
Ben hat Angst. Seit Monaten wird er von drei Jugendlichen abgezockt.
Sie knöpfen ihm auf dem Schulweg alles ab, sein Fahrrad, sein Geld,
sein Handy, ja sogar seine Schuhe, sodass er auf Strümpfen nach
Hause laufen muss. Doch dann wird einer seiner Peiniger auf dem Schulgelände
tot aufgefunden – mit Bens Handy in der Tasche ...
Nun hat Ben erst recht Angst. Kein Mensch wird ihm glauben, dass er mit dem Toten
nichts zu tun hat. Jetzt kriegen sie ihn!
Spannung pur – ein Labyrinthe Krimi
SIE KRIEGEN DICH
Roman von Oliver Pautsch
Thienemann Verlag, Stuttgart
192 Seiten
ISBN 3 522 17748 7
Ab 13 Jahren
Erscheinungstermin: Juli 2005
Presse zu "Sie kriegen Dich"
Rheinische Post vom 19.7.2005 PDF-Download
Review
" Als kurz hintereinander zwei Mitglieder einer Jugendgang
ermordet werden, steht Turbo als drittes Mitglied der Gang unter Verdacht
und flieht. Ben, ständiges Opfer und ebenso verdächtig, verfolgt
unabhängig von der Polizei Turbos Spur (...) Inzwischen hat der wahre
Mörder bereits beide in der Hand...
Wie in "Mordgedanken" überzeugt Pautsch mit einem realistischen
Lebensumfeld und glaubwürdigen Charakteren. Mit beidem kann sich die Zielgruppe
sehr gut identifizieren, besonders mit dem zunehmend selbstbewusster und mutiger
agierenden Ben. Packend dargestellte polizeiinterne Konflikte, eine geschickte
Verbindung zu Pautschs erstem Krimi (s.o.) sowie ein tief in die kriminellen
Vorgänge verstrickter Kommissar erhöhen die Authentizität und
Komplexität.
Einzig die Läuterung des gewalttätigen Turbo geht mir etwas zu schnell
- doch dies nur am Rande, denn mit jugendgerechtem Ton, drehbuchreifen Perspektivwechseln
und Schnitten erfüllt der Krimi, der besonders Jungs ansprechen dürfte,
das Reihenmotto "Spannung pur" bis zum Schluss."
Thomas Schützenberger
ekz-Informationsdienst
August 2005
Leseprobe I:
Ben sah sich auf dem Betriebgelände des Friedhofs um. Mehrere Garagen,
daneben ein großer verschneiter Haufen Äste. Unter einem Dach
war welkes Grünzeug gefroren, neben einem Haufen alter Kränze,
Blumengestecke und Plastikkram.
Eine Sackgasse, dachte Ben. Endstation, nichts weiter.
"
Suchst du mich?" Die Stimme ließ Ben herumfahren. Er bekam
eine Gänsehaut beim Anblick seines Peinigers. Die Angst schoss wie
eine alte Bekannte in seine Mitte, schlimmer als jeder Dreiklang das
zu schaffen vermochte. Bens Nackenhaare stellten sich auf. Seine Knie
wurden weich und er taumelte rückwärts, als der Typ auf ihn
zuging. Mit einer Pistole in der Hand!
"
Jetzt bist du dran, du kleiner Scheißer", sagte Turbo und
wünschte sich Hakan herbei.
"
Du hast Armin umgebracht." Mit der ungewohnten Waffe in der Hand
und dem zitternden Jungen gegenüber wurde Turbo klar, dass Rache
den besten Freund auch nicht wieder lebendig machen würde.
"
Hab ich nicht", antwortete Ben und wurde wütend. "Wieso
denken alle, ich hätte was damit zu tun?"
"
Weil ..." Turbo stockte, die Gedanken überstürzten sich:
Weil wir dich beklaut und bedroht haben. Immer wieder. Dein Fahrrad,
deine Uhr, den Diskman. Die ganze Kohle, die du dauernd an uns abdrücken
musstest. Sogar deine neuen Turnschuhe. Einmal bist du auf Socken nach
Hause gerannt, Alter.
"
Ich hab eigentlich immer darauf gewartet, dass bei dir mal 'ne Sicherung
durchbrennt", gab Turbo zu und musste betroffen zusehen, wie die
Augen des Jungen feucht wurden. Seine Unterlippe zitterte. Turbo ließ die
Waffe sinken und räusperte sich. Versuchte, woanders hinzusehen.
Es waren nicht die ersten stummen Tränen, die Turbo von dem Jungen
mitbekam, doch zum ersten Mal war es Turbo unangenehm. Ein Gefühl
der Reue stellte sich ein, was Turbo hasste. Doch der Versuch, dieses
Gefühl in Wut auf den Jungen zu verwandeln, weil er ein Mörder
war, wollte nicht gelingen. Turbo fühlte sich, wie der Junge aussah
- angreifbar und schwach.
Trotz einer geladenen und entsicherten Waffe, ist das nicht merkwürdig?,
dachte Turbo. Warum ist Hakan nicht dabei? Wo ist der Mullah überhaupt?
Dieser Typ hat Armin nicht umgebracht.
"
Wie heißt du?", wollte Turbo wissen.
Ben wischte sich verstohlen etwas Rotz von der Nase und schniefte: "Das
weißt du nicht? Ihr habt mir doch zweimal die Schultasche geklaut."
"
Glaubst du, wir haben deine Aufsätze gelesen, oder was?"
Leseprobe II:
Vom Haus der Zwillinge schaffte es Ben nur bis zur Bushaltestelle am
Ortsausgang, direkt vor der knallgelben Lagerhalle des "Möbelparadies
Kürten".
Ben wollte aus der Stadt verschwinden und bei seiner Oma unterkommen,
doch an der Haltestelle wurde er von der Besatzung eines Streifenwagens
angehalten.
Der Polizist und seine Kollegin stiegen aus und postierten sich rechts
und links von Ben auf dem Bürgersteig. Am Straßenrand stand
der Streifenwagen mit Warnblinkanlage. Damit war Ben auf drei Seiten
geblockt. Werner Kürten trug die Mütze nicht, seine lockigen
Haare wehten in der kalten Winterluft. Ben konnte Sommersprossen auf
der Stirn des Beamten erkennen, die in ernste Falten gelegt war.
"
Heißt du Benjamin Terjung?"
"
Wer will das wissen?", gab Ben trotzig zurück. Die junge Polizistin
trat einen Schritt auf Ben zu und wollte etwas sagen, doch der Beamte
machte eine beschwichtigende Geste zu seiner Kollegin und antwortete
geduldig: "Mein Name ist Polizeiobermeister Werner Kürten.
Deine Eltern haben uns gesagt, wo wir dich finden ..."
Bens erster Gedanke war: Kürten? Will der mich verarschen?, als
er sich zu der riesigen Lagerhalle hinter sich umdrehte und auf dem gelben
Blech in riesigen Buchstaben "Möbelparadies Kürten" las.
"
Hörst du mir zu?", wollte Kürten von Ben wissen. Der sah
ungläubig zwischen den etwa zwanzig knallgelben Möbelwagen
und dem Polizisten hin und her. Die LKW standen in einer Reihe schräg
vor der Lagerhalle am Bürgersteig - jeder mit der Aufschrift des
Möbelhauses in großen grünen Buchstaben. Erst auf den
zweiten Blick begriff der Polizist, warum der Junge ihn anstarrte.
"
Ja, ja, ich weiß. Das sind Verwandte von mir."
"
Ehrlich? Das wusste ich gar nicht", sagte Stefanie Schäfer. "Kriegen
wir Prozente?"
Kürten grinste die Kollegin an. Als er sich wieder dem Jungen zuwandte,
hatte Ben bereits die Möbelwagen erreicht.
"
Stehen bleiben!", brüllte er hinter Ben her. Die Kollegin öffnete
den Druckknopf des Waffenholsters, während Ben zwischen den geparkten
Möbelwagen verschwand. Kürten biss sich auf die Lippe und dachte:
Eine Sekunde nicht aufgepasst! Er rief seiner Kollegin zu: "Nimm
den Wagen und fahr über den Südring hinter die Halle. Dort
muss er rauskommen."
"
Soll ich nicht lieber zu Fuß ... äh, ich meine ..." Stefanie
stockte, wollte unter keinen Umständen andeuten, dass sie jünger,
fitter und schneller bei der Verfolgung sein könnte, als der ranghöhere,
männliche Beamte.
"
Nimm den Wagen und schnapp ihn dir hinter der Halle", befahl Kürten,
warf der Stefanie den Schlüssel zu und rannte durch den Schnee über
den Grünstreifen auf das Gelände.
"
Fuchtel unter keinen Umständen mit der Waffe vor dem Jungen herum.
Außer, es ist WIRKLICH NÖTIG", rief Kürten über
die Schulter und verschwand zwischen den Möbelwagen.
"
Wird erledigt, Chef", nörgelte die Polizistin leise vor sich
hin und fummelte den Wagenschlüssel aus dem Schneematsch. "Sie
sind ja sooo unglaublich professionell."
Sie stieg in den Passat, fuhr vorsichtig von der Bordsteinkante ab und
scherte in den grauen Schneematsch der Ausfallstraße ein. Stefanie
ließ sich Zeit, bevor sie der Automatik des Dienstwagens mit Kickdown,
Blaulicht und Sirene den Arschtritt gab, der eigentlich ihrem Kollegen
galt. Soll Kürten doch erst mal rennen, bis seine Lunge in Fetzen
hängt, dachte Stefanie Schäfer.
|